Wie bekomme ich PrEP?

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Hier auf dieser Seite erklären wir Dir, welche verschiedenen Möglichkeiten es auf Deutschland bezogen gibt, um an die PrEP zu kommen. Die Beschaffung von PrEP im bezahlbaren Rahmen (ab 35 EUR/Monat aufwärts) war vor noch gar nicht allzu langer Zeit nur über spezielle PrEP-Online-Apotheken im außereuropäischen Ausland möglich, vielleicht hast Du davon schon gehört oder im Internet bereits gelesen. Das Originalmedikament Truvada™ von der Firma Gilead konnte man zwar seit Oktober 2016 legal auf Privatrezept in der deutschen Apotheke bekommen, der Preis war aber mit 820 EUR/Monat für den Großteil nicht bezahlbar.

Zum Herbst 2017 hatte sich die Situation in Deutschland dann grundlegend geändert, es bestand ab diesem Zeitpunkt auch die Möglichkeit, PrEP in Form von Truvada-Generika direkt über ausgewählte deutsche Apotheken zum Preis von rund 50 EUR/28 Tabletten beziehen zu können. Die Beschaffung über diesen Weg hat den Vorteil, dass man in der Apotheke kompetent beraten wird und z.B. auch Fragen zu möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten stellen kann.

Am 1. Dezember 2017 kam dann erneut Bewegung in den Markt, als Ratiopharm den Preis für sein eigenes Truvada-Generikum auf 69,90 EUR (Monatspackung) senkte. Februar 2018 folgte der Pharmakonzern Aliud Pharma der Preissenkung von Ratiopharm und senkte den Preis fürs sein eigenes Generikum ebenfalls runter auf 69,90 EUR (Monatspackung).

Die aktuelle Gesetzeslage sieht aber weiterhin keine Kostenübernahme durch die Krankenkassen vor, auch dann nicht, wenn man es direkt über deutsche Apotheken bezieht. Wer also die tägliche Einnahme für die PrEP gewählt hat und es über deutsche Apotheken bezieht, muss die jährlichen Kosten für das Medikament von rund 650 EUR bis fast 840 EUR (je nach Generikum) aus eigener Tasche bezahlen. Truvada-Generika aus dem außereuropäischen Ausland schlagen hier "lediglich" mit jährlichen Kosten ab 320 EUR aufwärts ein Loch in die Geldbörse, wenn man die üblichen Packungseinheiten von drei Monaten bestellt. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, welcher Weg der bessere für einen ist, auch in finanzieller Hinsicht.

Ganz gleich für welchen Weg Du dich entscheiden solltest, bitte nehme PrEP nur unter ärztlicher Aufsicht eines Spezialisten ein. Das PrEP-Protokoll sieht einmalig im Vorfeld als auch später in regelmäßigen Abständen u.a. eine Überprüfung der Nierenwerte vor, da es in seltenen Fällen zu gesundheitsrelevanten Abweichungen kommen kann. Ebenso gehört es zum PrEP-Protokoll, dass alle drei Monate der HIV-Status überprüft werden muss. Da PrEP nur vor einer HIV-Infektion schützt aber nicht vor anderen Geschlechtskrankheiten (STI), sollte in diesem Zug ebenso eine Untersuchung auf andere STIs durchgeführt werden.

Wichtiger Hinweis: Auch die regelmäßigen Untersuchungen alle drei Monate werden nicht von der Krankenkasse bezahlt. Kläre also beim ersten Beratungsgespräch mit dem Arzt ab, welche Kosten auf Dich zukommen, hier gibt es leider keinen einheitlichen Gebührensatz. In einigen größeren Städten gibt es aber mittlerweile PrEP-Check-Points, bei denen man alle relevanten Untersuchung zum relativ kleinen Preis durchführen lassen kann.

Bei dem ersten Beratungsgespräch geht der Arzt mit Dir eine Art Checkliste durch und erklärt Dir nochmal die Wirkungsweise von PrEP und was es dabei zu beachten gibt:

Fällt der HIV-Test negativ ist und sind auch die Nierenwerte OK, bekommst Du vom Arzt das Privatrezept ausgestellt, welches Du dann in einer Apotheke einlösen kannst. Solltest Du dich dafür entschieden haben, die PrEP aus dem Ausland zu beziehen, ist das Privatrezept nicht zwingend notwendig, der Bestellvorgang geht auch ohne.

 

PrEP über eine deutsche Apotheke beziehen

Damit die Abgabe von PrEP zu diesen günstigen Preis möglich ist, kommt in den meisten Fällen die sogenannte "Verblisterung" zum Einsatz. Das bedeutet, dass das Medikament aus seiner Originalverpackung genommen wird und dann individuell für den Patienten neu verpackt ("geblistert") wird. Dadurch entfällt die Preisbindung des Medikaments an den Abgabepreis der Apotheken und kann zu erheblich günstigeren Preisen angeboten werden.

Die übliche Menge bei der Verblisterung entspricht 28 Tabletten (also vier Wochen) gegenüber der sonst üblichen Verpackungseinheit von 30 Tabletten (einen Monat) ohne Verblisterung. Auch die Bestellung der 3fachen Menge (3x28) ist möglich, damit man die Anzahl der Tabletten erhält, die annähernd drei Monate entsprechen. Ein Nachteil dieser Methode ist allerdings, dass die verblisterte PrEP nur bei den Apotheken verfügbar ist, die an der Verblisterung teilnehmen.

Eine Ausnahme bilden hier Ratiopharm und Aluid Pharma. Beide Pharmakonzerne haben den Apothekenabgabe-Preis für deren eigenes Generikum auf 69,90 EUR gesenkt und das Medikament ist somit ohne Verblisterung in allen deutschen Apotheken erhältlich.

» Apothekenverbund DAH2KA e.V (Hexal)
Der Apotheker Erik Tenberken hat im Herbst 2017 das erste Pilotprojekt für die verblisterte PrEP in Deutschland auf den Weg gebracht und konnte dafür den Pharmahersteller Hexal gewinnen. Die PrEP geht zum Preis von 50,05 EUR/28 Tabletten über den Apothekentresen. Zum Start waren lediglich acht Apotheken an Bord, mittlerweile nehmen aber bereits schon rund 60 Apotheken an diesen Projekt teil (für aktuelle Liste siehe hier), eine flächendeckende Versorgung zumindest in Ballungsräumen ist damit schon fast erreicht. Das vom HIV-Arzt ausgestellte Privatrezept muss persönlich bei der entsprechenden Apotheke eingereicht werden und dabei einen Text ähnlich wie diesen enthalten:


Wichtig auf dem blauen Privatrezept ist dabei sowohl die Menge mit "28" als auch der Hinweis "zur Verblisterung" und der Einsatz als "PrEP". Die Abgabe der dreifachen Menge (3x28) ist ebenfalls möglich. Ein kostenloser Versand der PrEP wird angeboten, die Abgabe des Rezeptes in der Apotheke selbst muss aber persönlich erfolgen.

» Alte Apotheke, Bochum (TAD)
Die Apothekerin Dr. Inka Krude hat mit dem Pharmakonzern TAD Pharma GmbH ebenfalls eine Vereinbarung getroffen und bietet die PrEP zum Preis von 52 EUR/28 Tabletten an. Das Truvada-Generikum wird von TAD unter dem Namen "Emtenovo" vertrieben. Das Rezept muss dabei analog wie weiter oben bereits erläutert einen Text ähnlich wie "28 Stück Tenofovir / Emtricitabin verblistert als PrEP" enthalten. Die Abgabe der dreifachen Menge (also 3x28) ist ebenfalls möglich. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Deutschen STI-Gesellschaft unter Prof. Dr. N.H. Brockmeyer auf den Weg gebracht. Das Privatrezept stellt z.B. das WIR (Walk In Ruhr) aus.

» Alle Apotheken in Deutschland (Ratiopharm, Aluid Pharma)
Die beiden Pharmakonzerne Ratiopharm und Aluid Pharma haben den Preis für das jeweilige eigene Truvada-Generikum auf 69,90 EUR gesenkt. Dies betrifft sowohl die Abgabe des Medikaments zur Behandlung von HIV-positiven als auch zur Einnahme im Rahmen der PrEP. Eine Packungseinheit entspricht damit den üblichen 30 Tabletten (bzw. 3x30 Tabletten) und das Privatrezept kann daher in allen deutschen Apotheken eingelöst werden. Die Angabe "zur Verwendung als PrEP" oder ähnlich ist auch nicht mehr notwendig, es reicht die eigentliche Nennung des Medikaments auf dem Privatrezept aus:

  • Emtricitabin/Tenofovir ratiopharm 200mg/245mg FTA (PZN: 12724393)
  • Emtricitabin/Tenofovirdisoproxil AL 200/245 mg FTA (PZN: 12639322)

Prinzipiell könnte somit jeder Hausarzt das Privatrezept ausstellen. Wir empfehlen als PrEP-Begleitung aber trotzdem einen Arzt, der auf diesem Gebiet versiert ist und alle erforderlichen Untersuchungen im Rahmen der Verschreibung von PrEP durchführen kann.

 

Alte Apotheke Bochum Alle Apotheken in Deutschland

Apothekenverbund DAH2KA e.V. (Homepage)
Hersteller des Generikum: Hexal
Versandkosten: Keine
Umgerechneter Preis pro Monat: 53,50 EUR

Anmerkungen: Der umgerechnete Preis pro Monat bezieht sich auf 30 Tage (obwohl es die PrEP-Blister selbst nur mit 28 Tabletten gibt), um einen direkten Vergleich mit den anderen Anbietern zu ermöglichen.

Alte Apotheke, Dr. Inka Krude (Homepage)
Hersteller des Generikum: TAD
Versandkosten: Nicht bekannt
Umgerechneter Preis pro Monat: 55,70 EUR

Anmerkungen: Der umgerechnete Preis pro Monat bezieht sich auf 30 Tage (obwohl es die PrEP-Blister selbst nur mit 28 Tabletten gibt), um einen direkten Vergleich mit den anderen Anbietern zu ermöglichen.

 

 

Alle Apotheken in Deutschland
Hersteller des Generikum: Ratiopharm, Aluid
Versandkosten: Bestimmt die Apotheke
Umgerechneter Preis pro Monat: 69,90 EUR

Anmerkungen: Der Preis bezieht sich auf die übliche Monatspackung (30 Tage) ohne Versand. Bei Onlinebestellung über eine deutsche Versandapotheke können zusätzliche Porto- und Versandkosten anfallen.

 

 

PrEP über Apotheken aus dem (außereuropäischen) Ausland beziehen

Wie eingangs bereits erwähnt wurde, wurde die PrEP bereits Oktober 2016 in Deutschland offiziell zugelassen, der Bezug war anfangs aber nur über das außereuropäische Ausland zu annehmbaren Preisen möglich. Ein Jahr später gab es zwar deutsche Generika, aber auch hier muss man aktuell mit jährlichen Kosten von 650 EUR und aufwärts rechnen. Wer das Geld nicht über hat, sich aber trotzdem mit PrEP vor HIV schützen möchte, wird im Ausland fündig.

» PrEP-Online-Apotheken
Die preisgünstigen Generika von Truvada gibt es auch im Sortiment von speziellen PrEP-Online-Apotheken. Auf Deutschland bezogen haben wir allerdings das Problem, dass für diese Medikamente nach deutschem Recht keine Arzneimittelzulassung vorliegt. Das Zuschicken von Medikamenten per Paketdienst aus diesen Ländern ist daher illegal. Die von uns erstellten Anleitungen, wie man sich die PrEP trotzdem aus dem Ausland nach Deutschland liefern lassen konnte, mussten daher von unserer Homepage wieder entfernt werden.

Mittlerweile haben aber die beiden größten PrEP-Apotheken eigene deutsche Bestellanleitungen direkt auf deren jeweiligen Homepage hinterlegt (einfach auf die deutsche Landesflagge klicken). Zwei PrEP-Apotheken verschicken die Truvada-Generika mittlerweile sogar direkt innerhalb der EU ab. Die Namen dieser Apotheken dürfen wir hier auf der Homepage aber leider nicht nennen ("Werbung für in Deutschland nicht zugelassene Arzneimittel").

Bezüglich der Beschaffung von PrEP aus dem Ausland erreichen uns immer wieder Fragen, wie es um die Echtheit der Medikamente bestellt ist bzw. ob die Gefahr nicht zu groß ist, an Fälschungen zu gelangen. Zu diesem Aspekt sei hier angemerkt, dass bis heute nicht ein Fall bekannt geworden ist, dass bei den bekannten PrEP-Apotheken Fälschungen verkauft bzw. in Umlauf gebracht wurden. Im Rahmen der PROUD-Studie wurden hunderte Proben im Labor untersucht, allesamt waren sie OK.

Wer möchte, kann selbst eine Wirkstoffspiegelmessung in einem deutschen Labor in Auftrag geben, hierzu muss eine Blutprobe an das Labor geschickt werden bzw. beim Labor selbst abgegeben werden. Das Ergebnis gibt es ein paar Tage später und sieht dann ähnlich wie folgt aus:

Hinweis zur obigen Grafik: Die Blutentnahme erfolgte rund sechs Stunden nach Einnahme der PrEP und nicht zum Zeitpunkt des Talspiegels rund 24 Stunden nach der Einnahme, dadurch im obigen Beispiel etwas höhere Werte als sonst üblich.

» HIV-Kliniken im Ausland
Auf eine weitere Möglichkeit sei an dieser Stelle abschließend noch hingewiesen: Es gibt auf PrEP spezialisierte Kliniken z.B. in Thailand oder Südafrika. Dort bekommt man neben einer kompetenten medizinischen Beratung auch den erforderlichen medizinischen Check-Up und kann anschließend die PrEP vor Ort kaufen und auch legal in Deutschland einführen:

"Reisende dürfen Arzneimittel bei der Einreise nach Deutschland in einer dem üblichen persönlichen Bedarf entsprechenden Menge mitführen (§ 73 Absatz 2 Nr. 6 oder 7 AMG). In diesem Fall ist weder eine Einfuhrerlaubnis nach Deutschland noch eine Zulassung oder Registrierung der jeweiligen Arzneimittel für Deutschland erforderlich. Unerheblich ist auch, ob es sich um verschreibungspflichtige und apothekenpflichtige Präparate handelt oder nicht."
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

Dieses Verfahren eignet sich z.B. für Urlaubsreisen in entsprechende Regionen. Oder wenn man das Glück hat, beruflich öfters dort unterwegs zu sein. Für den großen Teil der "Prepster" (so nennen sich umgangssprachlich die Leute, die PrEP bereits nehmen oder auf PrEP gehen möchten) kommt diese Art der Beschaffung aber wohl eher nicht in Frage.