Häufig gestellte Fragen und Antworten zu PrEP

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Auf dieser Seite haben wir häufig gestellte Fragen und Antworten bezüglich PrEP zusammengefasst. Dazu noch ein wichtiger Hinweis zur Einleitung: das Informationsangebot dieser Homepage richtet sich in erster Linie an Schwule bzw. "Männer, die Sex mit Männern haben" (MSM), was sich auch an der Auswahl der Fragen und den dazugehörigen Antworten hier widerspiegelt.

PrEP an sich ist aber für alle Menschen geeignet, unabhängig vom Geschlecht (damit sind auch explizit Menschen mit Transsexus umfasst) und der sexuellen Präferenz. Du hast weitere Fragen zu PrEP? Du hast noch Vorschläge für weitere Sachverhalte, die hier aufgeführt werden sollten? Dann schick uns doch einfach eine eMail, die Adresse dazu findest Du im Impressum.


PrEP als Medikament in Deinem Körper

Was genau ist PrEP?

Das Wort "PrEP" ist die Abkürzung für Präexpositionsprophylaxe und bedeutet auf einen Absatz komprimiert, dass durch die vorbeugende Einnahme des HIV-Medikaments Truvada™ bei Personen mit einem negativen HIV-Status eine Infektion mit HIV verhindert werden kann, wenn es zu sexuellen Handlungen mit Personen kommt, die (unbekannterweise) HIV-positiv sind. Dieser Schutz besteht sogar selbst dann, wenn auf das Kondom als Schutzmaßnahme verzichtet wird. Ausführliche Informationen dazu findest Du auf dieser Seite.

Wie funktioniert die PrEP?

Bei der PrEP kommen die beiden in Truvada enthaltenen antiretroviralen Wirkstoffe Emtricitabin und Tenofovir zum Einsatz. Sie verhindern, dass vom HI-Virus befallene Körperzellen in den Schleimhäuten sich weiter vermehren können und unterbinden auf diese Art und Weise eine Infektion mit HIV bei Personen, die negativ sind.

Sind PrEP und PEP das gleiche?

Nein, beide Begriffe dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Bei der PrEP wird das HIV-Medikament Truvada vorbeugend eingenommen, um eine HIV-Infektion bei HIV-negativen Personen zu unterbinden. Siehe dazu auch die beiden vorherigen Frage.

Die PEP (Postexpositionsprophylaxe) kommt als Notfallmaßnahme zum Einsatz, wenn es beim Sex zu einem Unfall gekommen ist (Kondom gerissen, etc) und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit bestanden hat, dass es zu einer Infektion mit HIV gekommen sein könnte. Sinnbildlich könnte man es auch als "die Pille danach" umschreiben. Im Gegensatz zur PrEP kommen bei der PEP drei Wirkstoffe zum Einsatz (i.d.R. Raltegravir + Tenofovir + Emtricitabin), die über einen Zeitraum von meist einem Monat eingenommen werden müssen. Eine mögliche HIV-Infektion kann so in den meisten Fällen vermieden werden.

Ganz wichtig: Mit der PEP sollte so schnell wie möglich nach einem Risikokontakt bzw. Sex-Unfall angefangen werden. Innerhalb von zwei Stunden bis 24 Stunden ist da Optimum, 48 Stunden und in einigen Fällen 72 Stunden gilt als letztes Zeitfenster. Sollte der Unfall am Wochenende passiert sein, kann auch die Notaufnahme des Krankenhauses helfen bzw. vermitteln.

Für weitere Infos zur PEP siehe hier.

Welche Untersuchungen sind vorab notwendig, bevor mit der PrEP angefangen werden sollte?

Vor dem Start der PrEP muss ein HIV-Test (am besten ein Test der 4. Generation mit p24-Antigen-Nachweis) durchgeführt werden, damit sichergestellt ist, dass keine unentdeckte HIV-Infektion vorliegt. Hier sollte man dann auch etwas Selbstdisziplin üben und keine unnötigen Risikokontakte wenige Tage vorher eingehen, da diese dann noch nicht vom HIV-Test abgedeckt werden. Ebenso müssen die Werte der Niere und Leber erfasst werden und der Impfstatus von Hepatitis s B überprüft und ggf. aufgefrischt werden.

Hinweis: Eine Impfung bzw. Impfauffrischung gegen Hepatitis A und Hepatitis B übernimmt die Krankenkasse und sollte daher (unabhängig davon, ob man sich für die PrEP entscheidet oder nicht) auf jeden Fall durchgeführt werden!

Was ist der Unterschied zwischen täglicher und anlassbezogener Einnahme?

Bei der täglichen Einnahme nimmt man jeden Tag eine Tablette ein und erreicht somit einen dauerhaften hohen Wirkstoffspiegel im Körper. Auf den Monat gerechnet also 30 Tabletten.

Bei der annlassbezogenen Einnahme wird nur dann die PrEP eingenommen, wenn tatsächlich ein Risikokontakt ansteht. Diese Methode richtet sich daher vornehmlich an Personen, die nur selten Risikokontakte haben. 24 bis spätestens 2 Stunden vor dem Risikokontakt nimmt man zwei Tabletten zum Einstarten zu sich. 24 und 48 Stunden nach der ersten Einnahme nimmt man dann jeweils eine weitere Tablette. Insgesamt also vier Tabletten.

Sollte sich auch am nächsten Tag noch die Möglichkeit für ein weiteres Sexdate ergeben und PrEP benötigt werden, kann man den 24 Stunden-Rhythmus mit je einer Tablette einfach verlängern. Wichtig dabei ist es, dass die letzte Einnahme von PrEP zwei Tage nach dem letzten Risikokontakt liegt.

Noch ein Hinweis zum Zeitpunkt der Einnahme vor dem Risikokontakt: Je größer der Zeitraum vor dem möglichen Sex ist, desto besser kann sich der Wirkstoff im Körper verteilen und an den entsprechenden Stellen wirken. Bei weniger als zwei Stunden besteht daher ein erhöhtes Risiko einer möglichen Infektion. Für ein spontanes Sexdate ist die anlassbezogene PrEP daher weniger geeignet.

In Deutschland ist nur die PrEP für die tägliche Einnahme zugelassen, nur dafür bekommt man ein Privatrezept. Entsprechend schwer tun sich auch Ärzte und HIV-Beratungsstellen, die anlassbezogene PrEP zu empfehlen bzw darüber zu beraten. Wer 4x im Monat einem möglichen Risikokontakt ausgesetzt ist (alleine damit also 16 Tabletten schluckt) bzw. jedes Wochenende die Sau raus lässt, sollte sich überlegen, gleich auf die tägliche Einnahme zu wechseln.

Ich stelle es mir etwas schwierig vor, jeden Tag an die Einnahme der Tablette zu denken. Was ist, wenn ich es mal vergesse?

Wenn bei der täglichen Einnahme mal ein Tag vergessen wird, ist dadurch nicht sofort der ganze Schutz weg. Der verbleibende Wirkstoffspiegel ist noch ausreichend hoch, so dass eine Infektion mit HIV recht unwahrscheinlich ist. Als Gegenbeispiel: Wird bei einem heißen Date das Kondom in der Hitze des Gefechts weggelassen, ist der Schutz in solch einem Falle gleich Null.

Um sich an die tägliche Einnahme zu gewöhnen und schon bald als "normal" anzusehen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Neben dem einfachen Wecker vom Smartphone haben sich z.B. auch Apps bewährt, die täglich daran erinnern, die Tablette einzunehmen. Auch die intelligenten Helfer im Haus (Alexa, Google, Siri, etc) kann man verwenden, um an die Einnahme erinnert zu werden.

Und ganz klassisch: Es gibt auch Pillendosen mit 7 Fächern (für jeden Tag eine) genau in der Größe, dass eine PrEP-Tablette in ein Fach passt. Wenn man die z.B. am Sonntagabend komplett auffüllt, kann man dann jeden Tag genau sehen, ob man die Tablette schon genommen hat oder nicht.

Täglich eine Tablette zu schlucken, ist das nicht pure Chemie und damit eine Belastung für den Körper?

Truvada wird seit fast 15 Jahren zur Behandlung von HIV eingesetzt. Entsprechend groß sind die gesammelten Erfahrungen mit diesem Medikament, auch in der Langzeitwirkung. Nicht ohne Grund wurde dieses Medikament zu einem der erfolgreichsten und mit am häufigsten eingesetzten Medikamente in der HIV-Therapie, da die große Masse dieses Medikament ohne größere Probleme und Nebenwirkungen verträgt.

Gleichwohl kann es bei einigen wenigen Personen zu Veränderungen z.B. bei den Nierenwerten oder der Knochendichte kommen. Daher sollte die Einnahme von PrEP immer von einem HIV-Schwerpunktarzt begleitet werden, der die Nierenwerte dann regelmäßig erfasst. Wird PrEP dann wieder abgesetzt, normalisieren sich auch diese Werte i.d.R. wieder allmählich.

Welche Nebenwirkungen können bei PrEP auftreten?

Wie bei jedem anderen Medikament auch kann es während der Einnahme zu Nebenwirkungen kommen. Häufiger wird über Durchfall, Übelkeit oder Kopfschmerzen berichtet. Ebenso auch Bauch- und Gelenkschmerzen. Andere wiederum leiden an Müdigkeit oder Schlafstörungen. Sollten Nebenwirkungen auftreten, empfiehlt es sich, die PrEP zum Abend einzunehmen, damit man den Peak der Nebenwirkungen über Nacht verschläft. Nach ein paar Tagen bis Wochen Eingewöhnungszeit minimieren sich die Nebenwirkungen meist wieder auf Null, da der Körper sich an das Medikament gewöhnt hat.

Gibt es einen Unterschied zwischen den verschiedenen Generika wie z.B. "Tenvir-EM" oder "Ricovir-EM"?

Bei den zwei erforderlichen antiretroviralen Wirkstoffen (Emtricitabin und Tenofovir) gibt es keinen Unterschied. Alle Generika wirken gleich gut. Unterschiede kann es aber bei den verwendeten Füllstoffen der jeweiligen Hersteller geben. Es gibt diesbezüglich ein paar vereinzelte Berichte, wonach Anwender bei einem Hersteller Magen-Darm-Beschwerden haben, die beim anderen Hersteller aber nicht auftreten.

Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten? Wie sieht es zum Beispiel mit Aspirin oder anderen rezeptfreien Medikamenten aus?

Bei einigen Medikamenten kann es in der Tat zu Wechselwirkungen kommen. Die in vielen Magensäureblockern enthaltene Wirkstoffgruppe der Antazida ("Rennie") kann z.B. die Aufnahme von PrEP über die Magenwand behindern, beide Medikamente sollten daher zeitlich getrennt eingenommen werden. Während Aspirin oder Paracetamol als Schmerzmittel keine Wechselwirkung mit PrEP verursachen, kann Diclofenac in Kombination mit PrEP eine negative Auswirkung auf die Nierenwerte haben, hier sollte dann besser auf Ibuprofen ausgewichen werden. Hier kommt es neben der Dosis bzw. Stärke natürlich auch auf die Dauer der Einnahme an. Generell sollte die längere Einnahme von Schmerzmitteln immer mit einem Arzt abgesprochen werden.

Die Deutsche Aids-Hilfe hat bezüglich Wechselwirkungen ein übersichtliches PDF-Dokument erstellt, welches hier runtergeladen werden kann. In dem Dokument einfach nach "Truvada" suchen, um die Wechselwirkungen zu finden. Eine weitere Übersicht der Wechselwirkungen kannst Du dir auf dieser Seite anschauen: HIV Drug Interactions (unter dem Reiter "HIV Drugs" den Begriff "Truvada" eingeben und dann darunter bei den Wirkstoffen "Emtricitabine" und "Tenofovir-DF" den Haken setzen, in der mittleren Spalte nach dem Wirkstoff/Medikament suchen, z.B. "Paracetamol"). In der rechten Spalte werden dann mögliche Wechselwirkungen angezeigt.

Bei Unsicherheiten kannst Du natürlich auch den Dich betreuenden HIV-Schwerpunktarzt befragen.

Gibt es Wechselwirkungen mit der Grippeschutzimpfung? Oder kann ich mich ohne Probleme impfen lassen?

Die Grippeschutzimpfung kannst Du ohne Probleme bei Deinem Arzt durchführen lassen, es gibt keine bekannten Wechselwirkungen mit der PrEP.

Wie verträgt sich PrEP mit Alkohol? Muss ich da aufpassen oder mich einschränken?

Dein Partyleben kannst Du weiterhin so ausleben, wie Du möchtest. Das Glas Wein zum Abendessen mit einem Date, ein paar Flaschen Bier auf einer Geburtstagsfeier oder auch im Tanzclub die härteren Sachen (z.B. "Wodka Red Bull") vertragen sich mit PrEP (Truvada) problemlos.

Ich bin noch Minderjährig, ist die PrEP auch für mich geeignet?

Das Medikament Truvada (welches für die PrEP zugelassen ist) ist von den gesetzlichen Vorgaben her ab 18 Jahren freigegeben und daher für Minderjährige nicht erhältlich. Aber auch junge Menschen über 18 Jahren, die sich noch im Wachstum befinden (bis ca. 21 Jahre), sollten die Einnahme von PrEP unbedingt mit einem Arzt besprechen, um mögliche Komplikationen (Auswirkung auf die Knochendichte, etc) auszuzloten...

 
PrEP als Safer Sex, Sexualität bei Schwulen

Kondome haben sich doch eigentlich bewährt. Wieso wird jetzt soviel Werbung für PrEP gemacht?

Wenn Du mit der Verwendung von Kondomen in der Vergangenheit nie Probleme hattest, besteht kein Anlass, Deine Strategie von "Safer Sex" zu ändern. Zumal sie sehr preiswert ist. Ggf könnte man darüber nachdenken, PrEP als zusätzlichen Schutz einzusetzen, da Kondome keinen hundertprozentigen Schutz vor HIV bieten (ein Kondom kann reißen, etc).

Gleichwohl gibt es doch viele, die kein Gummi benutzen. Bei einigen ist es ein seltener Ausrutscher, bei anderen schleicht sich dieser Vorgang mehr und mehr ein ("es ist ja bis jetzt immer alles gut gegangen") und wiederum andere benutzen Kondome einfach aus Prinzip nicht. Gründe dahinter gibt es viele: das Hantieren und Auspacken, der Geruch vom Gummi, Erektionsprobleme beim Überstreifen, vermindertes Gefühl der Intimität oder einfach der gehemmte Spaß z.B. auf einer Sexparty, wenn man alle fünf Minuten ein neues Gummi rüberziehen muss.

Hier mit erhobenen Zeigefinger den Moralapostel zu spielen wäre verkehrt. Die AIDS-Kampagnen der letzten 30 Jahre ("Tina, was kosten die Kondome?") kommen an ihre Grenzen. Wenn die Neuinfektionen mit HIV auf Dauer wirksam reduziert werden sollen, brauchen wir weitere Bausteine beim Safer Sex. Seit fast zehn Jahren ist mit "Schutz durch Therapie" bereits ein zweiter wichtiger Baustein mit im Spiel. Mit PrEP kommt hier nun ein dritter Baustein hinzu. Alle drei Bausteine zusammen bilden ein mächtiges Werkzeug, um zukünftig die jährlichen Neuinfektionen mit HIV dauerhaft zu reduzieren. Welchen dieser Bausteine jeder für sich selbst verwenden möchte, sollte jedem selbst überlassen werden.

Wie sicher ist PrEP denn jetzt eigentlich? Im Internet bin ich über Zahlenwerte von 86% und so gestolpert, das überzeugt mich nicht wirklich.

Hier muss man zwischen zwei Sichtweisen unterscheiden. Da haben wir auf der einen Seite die reine medizinische Wirkung. Diese liegt bei Truvada (das haben frühere Studien bereits gezeigt) deutlich im oberen Bereich von 90 Prozent und gilt damit als sehr sicher. Einige Studien geben sogar einen Schutz von 99% an, was einer höheren Schutzquote entspricht als bei Kondomen.

Dann gibt es noch die Gesamteffektivität, diese Werte wurden z.B. in der PROUD- und der IPERGAY-Studie mit jeweils 86% ermittelt. Hier wird auch erfasst, wenn Studienteilnehmer die PrEP nur unregelmäßig eingenommen haben oder die Einnahme ganz abgebrochen wurde und es infolgedessen zu einer HIV-Infektion gekommen ist. Sinn und Zweck solcher Studien ist es nämlich auch, herauszufinden wie gut die Leute damit umgehen können, täglich eine Pille einzunehmen. Und da sind 86% ein erstaunlich guter Wert.

Nach wievielen Tagen bin ich geschützt, wenn ich die PrEP einnehme?

Hierzu gibt es verschiedene Ansichten. Im Allgemeinen geht man davon aus, dass nach vier bis fünf Tagen der Wirkstoffspiegel ausreichend hoch ist, wenn man sich für die tägliche Einnahme entschieden hat. Vorsichtigere und ältere Empfehlungen aus den USA gehen von sieben Tagen aus beim aufnehmenden Analverkehr (also wenn man passiv ist ) und 20 Tage für den aktiven Partner. Dem stehen die Erfahrungen der anlassbezogenen Einnahme gegenüber, hier wird spätestens zwei Stunden vor dem Sex mit zwei Tabletten gestartet und kein weiterer Unterschied zwischen aktiven und passiven Analverkehr gemacht. Für weitere Informationen siehe auch hier dieses  Info-PDF (ab Seite 5).

Gibt es Fälle, wo es trotz korrekter Einnahme der PrEP zu einer Infektion mit HIV gekommen ist?

Belegt bzw. dokumentiert sind bis jetzt drei Fälle weltweit, wo es trotz der Einnahme von PrEP zu einer Infektion mit HIV gekommen ist. Bei den ersten beiden Fällen (festgestellt in New York und Toronto) erfolgte die Infektion mit einem HIV-Stamm, der gegen Truvada eine Resistenz entwickelt hatte. Dieser Stamm kommt aber zum Glück nur selten vor und überträgt sich auch nur recht schwer.

Der dritte dokumentierte Fall stammt aus Amsterdam und ist noch nicht eindeutig geklärt. Hier erfolgte die Ansteckung mit einem HIV-Stamm, der eigentlich keine Resistenz gegen PrEP hat. Bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass der 50jährige Mann in den acht Monaten vor der HIV-Diagnose pro Monat mit 12 bis 75 verschiedenen Männern kondomlosen passiven Analverkehr praktiziert hatte (er hatte eine Art Tagebuch darüber geführt) und auch eine nicht unerhebliche Menge an Drogen (Chemsex) zumindest zeitweise mit im Spiel war.

Schützt PrEP eigentlich auch vor anderen Geschlechtskrankheiten?

Nein, mit den anderen Geschlechtskrankheiten (STI) wie die Chlamydien, Gonorrhö (Tripper) oder Syphilis (um ein paar Beispiele zu nennen) kann man sich weiterhin infizieren, obwohl man die PrEP nimmt. Die Verwendung von Kondomen bietet hier aber auch nur einen bedingten Schutz, da sich viele STI auch über Schmierinfektionen verbreiten können.

Dazu ein paar Beispiele: Bei einer Syphilis-Infektion (Stadium 1) im Mund reicht schon (heftiges) Küssen aus, um den anderen Sexpartner anzustecken. Und wer eine Tripper-Infektion im Rachen hat und dann z.B. seine eigene Spucke als Gleitmittel beim Ficken benutzt, kann so unbeabsichtigt den passiven Partner anstecken, selbst wenn ein Kondom verwendet wurde.

Ist PrEP denn dann überhaupt sinnvoll? Seit Jahren steigen doch die jährlichen gemeldeten Fallzahlen von Geschlechtskrankheiten.

Die Zunahme von Geschlechtskrankheiten (STI) ist in der Tat ein Problem für sich, aber nicht auf PrEP zurückzuführen. Wäre PrEP in Europa nicht erhältlich, würden die jährlichen Fallzahlen z.B. für Syphilis trotzdem steigen. Hier ist der Grund im veränderten sozialen Verhalten zu suchen, die ganzen Dating-Apps machen es gerade in fremden Städten einfacher denn je, ein schnellles Sexdate zu arrangieren (siehe Grafik).

Das offizielle "PrEP-Protokoll" sieht daher vor, dass man sich regelmäßig (am besten alle drei Monate) auf STI testen lässt, um so im Falle einer Infektion die Infektionskette zu durchbrechen (dieses Vorgehen sollten im übrigen alle beherzigen, die häufiger Sex mit wechselnden Partnern haben und nicht nur für die, die PrEP nehmen möchten und/oder häufiger auf Kondome verzichten).

Wenn diese Kontrollen konsequent durchgeführt werden, dürften die gemeldeten jährlichen Zahlen mittel- bis langfristig sogar wieder sinken.

Oute ich mich nicht automatisch als Verantwortungslos, wenn ich durch PrEP signalisiere, dass ich (bewusst) auf das Kondom verzichte?

PrEP zu nehmen heißt ja nicht, dass man keine Kondome mehr benutzen darf! Ob und wie oft man Kondome weiterhin verwendet, bleibt ja jedem (in Absprache mit seinen Sexpartnern natürlich) selbst überlassen. PrEP bietet in jedem Fall einen zusätzlichen und sehr sicheren Schutz vor HIV. Daher ist PrEP zu nehmen schon für sich genommen eine sehr verantwortungsbewusste Entscheidung. Siehe dazu auch die erste Frage in diesem Block.

Es kommt im Moment trotzdem immer wieder noch vor, dass einige mit Kopfschütteln und Unverständnis reagieren, wenn auf PrEP als neue Schutzmöglichkeit hingewiesen wird. Das 30 Jahre lang eingehämmerte Dogma, das nur "Kondome schützen" lässt sich in diesem Umfeld nur schwer und in kleinen Schritten aufweichen.

Dazu muss man auch wissen und verstehen, mit welcher Urgewalt die Aids-Epidemie damals ab Mitte der 1980er Jahre in der schwulen Community eingeschlagen war. Viele haben damals Freunde verloren und mussten hilflos mit ansehen, wie das Virus immer weiter um sich griff. Kondome waren damals die einzige wirksame Methode, um sich vor HIV zu schützen.

Erste Ansätze, eine HIV-Infektion mit Medikamenten zu behandeln, waren mit schweren Nebenwirkungen verbunden. Dies änderte sich ab der Jahrtausendwende glücklicherweise gewaltig. Aus den Köpfen der älteren Generation lässt sich das Trauma der damaligen Zeit aber nur schwer löschen. Daran sollten auch PrEP-Konsumenten denken, wenn es mal zu einer Diskussion mit jemanden kommen sollte, der gegen PrEP ist.

Bezugnehmend auf die vorherige Frage, ich wurde in einem Chat (bei Gayromeo/Grindr/etc) aber trotzdem angefeindet wegen der Tatsache, dass ich PrEP nehme. Das hat mich ziemlich mitgenommen bzw. verunsichert.

Wenn die Grundhaltung in einem Chat hoch aggressiv wirkt bzw. der Chat plötzlich kippt, sollte man den Chat abbrechen. Diesen Menschen kann man in solch einem Fall nicht erreichen. Er zieht Dich selbst nur runter wenn man sich drauf einlässt. Wir müssen auch verstehen lernen, dass man nicht mit jedem über dieses Thema reden kann und somit keine Basis für in zielführendes Gespräch oder ein Date hat. 100 Prozent Misserfolg liegt da einfach auf der Hand. Nicht ärgern lassen, Chat schließen und einen neuen eröffnen.

Und in Teilen ist dies dann auch vielleicht eine "Abwehr". Dein Chatpartner erkennt in Deinem Lebensstil die eigenen Bedürfnisse nach (hemmungslosem) barrierefreiem Sex. Er hat das moralische Kondomgebot so stark verinnerlicht, dass er PrEP als Bedrohung empfindet. Daher die starke Aggression, die eigentlich gegen sich selbst gerichtet ist.

Ich nehme beim Sex auch gerne mal Chems (also Drogen) ein. Wie verträgt sich "Chemsex" mit PrEP?

PrEP (Truvada) verträgt sich mit den gängigen und bekannten Drogen wie z.B. XTC, GHB/GBL, Meph oder Meth komplikationslos und verliert dadurch nicht seine Wirkung. Dies hat sich auch in der PROUD-Studie gezeigt, wo 44% der Teilnehmer angegeben hatten, während der Studie auch Drogen konsumiert zu haben. Im aktiven Studienarm gab es in dieser Zeit keine Neuinfektionen bei den Leuten, die PrEP eingenommen haben.

Auch werden die Drogen durch PrEP nicht in der Wirkung gehemmt oder verstärkt. Gleichwohl sollte bei neuen und unbekannten Substanzen ("Legal Highs") besonders vorsichtig vorgegangen werden und die "Safer Use"-Regeln unbedingt befolgt werden.

Sollte ein längeres Partywochenende bevorstehen bitte auch nicht vergessen, PrEP für ein paar Tage mehr bei sich zu haben... ;-)

Wie sieht die Verträglichkeit von PrEP mit Medikamenten gegen Erektionsstörungen (z.B. Kamagra/Viagra oder Androskat) aus?

Die PrEP verträgt sich mit den gängigen Medikamenten problemlos und es gibt keine bekannten Wechselwirkungen. Das gilt auch für die auf Androskat basierende "Schwanzspritze".

Auf einer (Bareback)-Sexparty hatte ich mitbekommen, dass sich einige Partygäste "mal eben so" PrEP eingeworfen haben, um so auf der sicheren Seite zu sein. Ist das auf diesem Wege sinnvoll?

Davon ist abzuraten. Zum einem kann der Zeitraum zu kurz sein, bis sich der Wirkstoff im Zellgewebe von den Schleimhäuten am Penis und Darm eingelagert hat. Zwei Stunden ist hier das Minimum, je größer der Zeitraum ist, desto sicherer ist es. Das anlassbezogene Einnahmeschema sieht zudem vor, dass mit zwei Tabletten gestartet wird und 24 und 48 Stunden später je eine weitere Tablette eingenommen wird. Wenn dieses Schema nicht eingehalten werden kann, sinkt der Schutz rapide ab.

Auf der anderen Seite sollte die Einnahme nur in Begleitung mit einem HIV-Schwerpunktarzt erfolgen, da PrEP nur dann eingenommen werden darf, wenn man noch HIV-Negativ ist. Sollte schon bei jemanden eine unentdeckte HIV-Infektion vorliegen, können sich dann ungewollt Resistenzen bilden, welche die spätere Behandlung durch Medikamente (um unter die Nachweisgrenze zu kommen) nur unnötig komplizierter machen.

 
PrEP und der Weg zum Arzt, die Kosten und Bestellung aus dem Ausland

Zu welchen Arzt soll ich gehen, wenn ich PrEP einnehmen möchte?

Am sinnvollsten ist der Gang zu einer HIV-Schwerpunktpraxis. Die Ärzte dort kennen sich mit der Thematik aus und können Dich beraten und das Privatrezept ausstellen. Um zu erfahren, wo sich die nächste Praxis in Deiner Umgebung befindet, klicke einfach hier auf diesen Link.

Leider kommt es in einigen wenigen Fällen abseits von Großstädten noch vor, dass sich Ärzte gegen PrEP aussprechen und Dich nicht behandeln möchten. Sei es weil sie mit dem Thema noch nicht vertraut sind oder weil sie befürchten, dass dadurch anderen Geschlechtskrankheiten Tür und Tor geöffnet werden (siehe dazu auch die Fragen einen Themenblock höher). Das der Arzt durch sein eigenes Verhalten dann dafür sorgt, dass Du womöglich später mit einer akuten HIV-Infektion vorstellig werden musst, wird dabei meist nicht weiter bedacht.

Falls Du auf so einen Arzt stoßen solltest, informiere bitte die HIV-Diskriminierungsstelle, die auch Fälle zu PrEP entgegen nimmt. Alternativ kannst Du auch uns eine eMail schreiben, die Adresse findet Du im Impressum. Wir haben eine eigene Liste erstellt, wo alle uns bekannten Ärzte und Praxen verzeichnet sind, bei denen man wegen der PrEP vorstellig werden kann.

Was kostet PrEP auf Privatrezept in Deutschland?

PrEP (genauer gesagt das Originalmedikament Truvada von der Firma Gilead) kostet 820 Euro für eine Monatspackung (Stand Juni 2017). Seit Oktober 2017 gibt es ein "verblistertes PrEP" von Hexal zum Preis von 50 EUR/28 Stück in ausgewählten Apotheken. Zum 1. Dezember 2017 hatte Ratiopharm den Preis für sein Generikum auf 69,90 EUR (Monatspackung) gesenkt.

Was kostet PrEP, wenn ich das Generika bei einer ausländischen Apotheke kaufe?

Aktuell muss man je nach Anbieter und Online-Apotheke mit Preisen zwischen 35 bis 45 Euro pro Monat rechnen, die Versandkosten sind in diesen Zahlen bereits mit enthalten. Die Bestellung von PrEP aus dem Ausland verstößt aber gegen deutsches Recht und ist daher illegal.

Warum kann ich PrEP von einer ausländischen Apotheke nicht direkt nach Deutschland liefern lassen?

Die Gesetzgebung (Einfuhr von nicht zugelassenen Arzneimittel) verbietet den Import. Wenn die Sendung durch den Zoll kontrolliert werden sollte, wird die Ware beschlagnahmt und es droht dazu noch eine Strafgebühr.

Gibt es eine Alternative, um PrEP aus dem Ausland zu bestellen?

Diese Frage dürfen wir leider nicht mehr beantworten, da die von uns aufgezeigten Lösungswege gegen deutsches Recht verstoßen ("Werbung für in Deutschland nicht zugelassene Arzneimittel").

Meine bestellte Ware ist jetzt bei Borderlinx angekommen, nun soll ich eine Rechnung ("Invoice") einreichen. Was tun?

Wenn Du von Borderlinx eine eMail wie folgt bekommen hast

"The value has been estimated as there was no invoice. It is important that this information is correct prior to export -
please contact us to change the value to the correct amount. Note that you'll be required to provide us with a copy of the
merchant's invoice. Please do no hesitate and contact us."

dann kann die eMail ignoriert werden. Leite einfach den Versand an Deine gewünschte Adresse ein. Borderlinx schätzt den Warenwert der Sendung ein und darauf bauen die Steuern und evtl. Zollabgaben auf. Uns ist kein Fall bekannt, wo dieser Wert so weit daneben (bzw. zu hoch) gelegen hat, dass es sinnvoll gewesen wäre, die Rechnung einzureichen, weil man sonst einen zu hohen Steuersatz hätte zahlen müssen.

Laut der Sendungsverfolgung meiner Sendung muss ich Zollabgaben an Parcelforce (UK) entrichten. Wie soll ich vorgehen?

Es betrifft zum Glück  nur einen geringen prozentualen Anteil der Sendungen, die tatsächlich vom Zoll kontrolliert werden. Unter der Telefonnummer +44 344 800 4466 kann man den Support von Parcelforce anrufen und direkt am Telefon die Zollabgaben begleichen. Im Anschluss wird die Sendung für den weiteren Versand wieder freigegeben.

Kann man der Lieferung von außen ansehen, was sich im inneren befindet?

Nein, das kann man nicht. Es ist kein Hinweis von außen angebracht, der auf den Inhalt der Lieferung schließen lassen könnte. Der Adressaufkleber lässt aber Rückschlüsse darauf zu, dass die Ware z.B. aus Indien oder Swaziland abgeschickt wurde. Und wenn man das Päckchen bzw. den dicken Umschlag schüttelt, kann man am Geräusch erkennen, dass sich gefüllte Pillendosen im inneren befinden (was aber auch Vitaminpillen sein könnten)